Wer ein Mobiltelefon mit Android-Betriebssystem nutzt,
kann die Welt mit anderen Augen sehen. Zu den spannendsten Entwicklungen, die Google und andere Firmen auf Grundlage von Googles Mobilplattform programmiert haben, gehören Augmented Reality-Anwendungen, durch die mitunter sogar die Berliner Mauer wieder auf dem Bildschirm die Hauptstadt teilt.
Augmented Reality-Anwendungen erlauben es, auf dem Bildschirm nicht nur das zu sehen, was das Auge sieht, sondern die erfassten Bilder mit Informationen anzureichern. Früher benötigte man für Systeme, die die reale Wahrnehmung erweitern, eine große Kamera, einen mindestens Laptop-großen Rechner und eine Bildschirmbrille. Heute passen Kamera, Prozessoren und Bildverarbeitungs-Software in jedes moderne Handy. Dazu liefern die Mobiltelefone über ihre GPS-Module Ortsangaben.
Damit ist das Spiel mit der erweiterten Realität nicht mehr nur Marketing-Spezialisten wie dem 2003 in München gegründeten Unternehmen Metaio überlassen. Die erweiterte Realität ist mittlerweile auch per Handy zu haben.
Die Ergebnisse sind beeindruckend, wenn man die Koordinaten des Aufenthaltsorts mit den Zusatzinformationen aus dem Netz zu kombiniert – etwa, wenn man mit der Mobilversion von Google Sky Sternenbilder am Nachhimmel anzeigen kann, indem man sein Mobiltelefon gen Himmel hält.
Eine der ältesten Anwendungen in diesem Bereich ist der Wikitude World Browser von Mobilizy aus Salzburg, der auf über 200 Quellen zugreift. Auf dem Bildschirm des Mobiltelefons ergänzen unter anderem Angaben aus Googles lokalen Suchdiensten, Youtube-Videos oder Qype-Bewertungen das, was man sieht. Die Anwendung zeigt einem Sehenswürdigkeiten und Informationen in der Umgebung auf einer Karte, als Liste oder in einer Augmented Reality-Ansicht direkt auf dem Bildschirm.
Die Firma Layar aus Amsterdam gehört ebenfalls zu den Pionieren in diesem Bereich. Mit Hilfe ihrer Software kann man erkennen, welche Häuser zum Verkauf stehen, welche Hotels oder Restaurants in der Nähe sind, oder wo sich Twitterer in der Nähe befinden, die gerade irgendwelche Tweets verschickt haben.
Für Layar hat die kleine Softwarefirma Hoppala gerade eine Zusatzansicht veröffentlicht, in dem die Berliner Mauer wieder steht.
Spannend finde ich auch Google Shopper. 250.000 Mal wurde etwa bisher diese Mobilanwendung im Android Marketplace herunter geladen.
Abgesehen davon, dass alles, was ich damit erfasse, auf ewig mit weiteren Daten von mir verknüpft (Um Android vernünftig nutzen zu können, braucht man ein Google-Konto) auf den Google-Servern landet, finde ich diese Anwendung echt irre. Man hält ein Buch oder eine DVD vor die Kamera im Telefon, Google Shopper erkennt das Medium anhand des Barcodes und kann dann Preise und Rezensionen finden.
Insgesamt funktionieren diese Anwendungen alle gut – fast schon: Beängstigend gut. Google Goggles etwa, eine Software, die Fotos auswertet, erkennt fast fehlerfrei Gemälde und Sehenswürdigkeiten.
Man kann mit Goggles inzwischen sogar Speisekarten fotografieren und bekommt eine Übersetzung geliefert.
Verknüpft mit Gesichtserkennungssystemen können sich Goggles und Co., aber auch zum Alptraum entwickeln. Vorausgesetzt es werden im Laufe der Zeit immer mehr Fotos im Internet von Netznutzern mit Namen getaggt, wird irgendwann ein Punkt erreicht. Ein Foto genügt dann, und man weiß, wer der Kerl ist, der da drüben am Tresen steht oder wer die Frau ist, die da gerade aus dem falsch geparkten Auto steigt.
„Wir haben beim Start von ,,Goggles” wegen der Datenschutz-Bedenken ausdrücklich darauf verzichtet“, sagt Googles Datenschutz- Lobbyist zum Thema Goggles und Gesichtserkennung. „Die Technologie, Gesichter zu erkennen, gibt es aber bereits von verschiedenen Unternehmen. Derzeit diskutieren wir mit Datenschutz-Experten aus aller Welt, ob und wie wir den Dienst umsetzen können. Das ist aber nicht so einfach – sonst hätten wir es bereits getan.“
P.S. Übrigens: Natürlich gibt es natürlich auch für das iPhone solche hübschen Anwendungen.
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