Durchanalysiert: Googles neues Analytics-Plugin

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Google hat zwei Neuerungen veröffentlicht, die die Webseiten-Analysesoftware Google Analytics ein Stück datenschutz-freundlicher machen. Eine Neuerung ist ein Plugin für den Internet-Browser, das verhindert, dass Google mit verfolgt, welche Internetseiten man besucht und wie man sich auf ihnen bewegt.

Integriert werden kann das Plugin in Internet Explorer 7 und 8, Firefox 3.x und – natürlich- in Googles Chrome-Browser erhältlich. Safari- und Opera-Anwender schauen in die Röhre.

Das Werkzeug, dass seit einigen Monaten angekündigt ist, ist eine Reaktion auf die massive Kritik von Datenschützern an dem unsichtbaren, webweiten Analysenetz, das Google mit Hilfe von Analytics gesponnen hat.

Im Januar 2009 stufte das Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD) die Nutzung von Google Analytics durch Webseitenbetreiber als nicht mit dem deutschen Datenschutzrecht vereinbar ein.

Besonders die die Datenübermittlung in die USA, die lange Datenspeicherung ohne Löschmöglichkeit und die Möglichkeit, durch Datenverknüpfung ein Nutzerprofil zu erstellen, wurden dabei kritisiert. Webseitenbetreiber, die Google Analytics nutzen, begehen damit sogar eine Ordnungwiedrigkeit – eine Einschätzung, der sich auch der Düsseldorfer Kreis, einem Koordinierungsgremium aller deutschen Datenschutzaufsichtsbehörden für den nicht-öffentlichen Bereich, anschloss.

Die Neuerungen entschärfen Analytics ein Stück weit. Das Plug-in verhindert, dass der Internet-Browser Analytics-Code überhaupt erst anfordert. Ohne diesen Code erhält Google keine Daten beim Aufruf der Seite. Gleichzeitig können Webmaster laut dem Blogpost von Analytics-Produktmanagerin Jesse Savage  bei der Implementierung von Analytics künftig ein “IP-Masking” aktivieren. Das bewirkt, dass Google vor jeder weiteren Verarbeitung der anfragenden IP-Adresse die letzten 8 Bit löscht. Damit ist weiterhin eine lokale Zuordung von daten und Nutzern möglich, die Identifizierung einzelner Personen wird aber erschwert. Ähnlich verfährt unter anderem auch der Analytics-Konkurrent eTracker.

Angesichts der weiten Verbreitung von Analytics ist es sinnvoll, dass Google erste Ansätze zeigt, die Analysesoftware datenschutzfreundlicher zu gestalten. Weil Analytics im Gegensatz zu Konkurrenzprodukten wie etracker kostenlos ist, ist die Software ungeheuer populär. Über 250.000 Webseiten, die Analytics einsetzen, hat der Wiener Suchmaschinenspezialist Walter Karban mit seinem Spezialprogramm Ontraxx allein unter den deutsch sprachigen Netzangeboten entdeckt.

Welche Webseite welche Webtracker benutzt, kann man schön auf der Seite von Ontraxx nachverfolgen.

Ein Problem bei Analytics ist, dass kaum ein Webseitenbetreiber den Einsatz transparent macht. Nur ein Bruchteil kommt seiner Pflicht nach, auf den Einsatz von Analytics korrekt hinzuweisen. Zwar weist Google die Analytics-Nutzer darauf hin, dass sie ihre Seitenbesucher über den Einsatz der Trackingsoftware informieren müssen. Das IT-Beratungsunternehmen Xamit aus Düsseldorf ermittelte allerdings, dass 2007 99 Prozent der Google-Analytics-Kunden den Einsatz des Beobachtungswerkzeuges mit keinem Wort erwähnen, obwohl sie rechtlich dazu verpflichtet sind. 2009 kamen noch immer zwei Drittel der Firmen nicht ihrer Informationspflicht nach.

Google scheint damit gut leben zu können, dass viele Webseitenbeteiber hier schlampen. “Technisch betrachtet wäre eine stärkere Kontrolle, ob die Lizenzbedingungen eingehalten werden, durchaus möglich”, sagt Niels Lepperhoff, einer der Gründer von Xamit. Da die Googleres nicht tun, entsteht der Eindruck, dass es dem Unternehmen ganz recht ist, durch die Hintertür an jede Menge nützlicher Profildaten zu kommen.

Für Netznutzer, die versiert genug sind, mit Plugins zu arbeiten und abzuschätzen, was Analytics bedeutet, ist das Opt-Out-Plug-In tatsächlich eine gute Möglichkeit, sich der Datensammlung zu entziehen. Es ist ein Werkzeug für die digitale Selbstverteidigung auf individueller Ebene – so wie Werbeblocker, die viele User einsetzen, weil sie keine Online-Werbung mögen.

Dennoch ist das Opt-Out-Tool im Sinne des Datenschutzes nur die drittbeste Lösung, weil sie einseitig die verantwortung für den Schutz der eigenen Daten auf den Nutzer abwälzt. Die zweitbeste ware es, statt Arbeit in so ein Tool zu stecken, wenn Google wirklich den Analytics-Nutzern in Sachen Datenschutzerklärung auf die Finger schauen würde. Die beste wäre es natürlich, ein Opt-In-Tool zu bauen und nicht flächendeckend das Surfverhalten aller zu beobachten, die sich nicht wehren, sondern nur Daten von jenen einzusammeln, die dazu ihre Zustimmung signalisiert haben.

So vorzugehen, entspricht allerdings nicht der Unternehmenspolitik von Google. Beim Scannen von Büchern, bei dem überraschend auf “interessenbasierte Werbung” umgestellten AdSenseprogramm oder bei Street View werden ebenfalls zuerst durch eine möglichst komplette Erfassung des Bereichs, um den es geht.,Fakten geschaffen. Erst dann Werkzeuge und Einspruchsverfahren entwickelt, die Nutzern die Möglichkeit geben, von bestimmten Projekten ausgenommen zu werden.

Hintergrund: Alles über Analytics

Google Analytics ist die am weitesten verbreitete Software, mit der Webseiten-Betreiber Seitenbesucher analysieren. Mit Hilfe solcher Analytic-Tools untersucht man, woher die Besucher kommen, welche Suchbegriffe sie zu einer Seite geführt haben, welche Bereiche auf einer Internetseite aufgesucht werden und wie oft und wie lange welche Unterseiten angesehen werden.

So gewinnen Webseitenbetreiber Daten für die Optimierung ihrer Seite, aber auch Informationen über die Seitenbesucher. Anhand von Analytics können Webseitenbetreiber beispielsweise nach Kontinenten, Ländern, Regionen und Städten aufschlüsseln, woher die Besucher eines Netzangebots kommen und wie wichtig die jeweilige Region für den eigenen Umsatz ist. Auch der Erfolg von AdSense-Kampagnen lässt sich mit Hilfe von Analytics planen und nachvollziehen.

Die meisten Webmaster, die Analytics einsetzen, übermitteln aber gleichzeitig auch die Bewegungprofile ihrer ahnungslosen Netzbesucher an Google, so dass das Unternehmen mit Analytics umfassende Nutzerprofile von Webseiten-Besuchern anlegen kann.

Zwar entscheiden formell die Betreiber der Webseiten, ob sie diese Daten auch Google überlassen wollen. Allerdings helfen die Googler mit sanftem Druck nach, dass möglichst viele sie tief in den Datenpool schauen lassen: “Freigegebene Daten werden zur Verbesserung der bereitgestellten Services genutzt und vereinfachen die Entwicklung von leistungsfähigeren Funktionen«”, schreiben sie in einer Erklärung zum Analytics-Programm. Hat Googleanhand der Daten den Dienst weiter entwickelt, “haben nur die Nutzer Zugriff darauf, die ihre Daten für Googlefreigeben”.

Entscheidet sich ein Seitenanbieter, aus dem Programm auszusteigen, bleiben die Daten der Webseitenbesucher, die er Google geliefert hat, im Google-Index erhalten. In den Nutzungsbedingungen für Analytics schließt Google nicht ausdrücklich aus, dass diese Profile mit persönlichen Daten verknüpft werden.

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3 Kommentare zu „Durchanalysiert: Googles neues Analytics-Plugin“

  1. [...] werden beim Speichern der IP-Adresse des Nutzers die letzten Ziffern hinter dem letzten Punkt der IP-Adresse nicht gespeichert. Somit ist keine Zuordnung der Daten zu einer Person mehr möglich und trotzdem kann der Rest der [...]

  2. [...] sind. Aquarium Forum – Einzelnen Beitrag anzeigen – AGB – Datenschutzbestimmungen angepasst ++ Durchanalysiert: Googles neues Analytics-Plugin Googlereport – Google-Experte Lars Reppesgaard Ein Problem bei Analytics ist, dass kaum ein Webseitenbetreiber den Einsatz transparent macht. Nur [...]

  3. Anonymous sagt:

    [...] Weise und zu dem zuvor benannten Zweck einverstanden.“ ++ Was die User wissen sollten! ++ Durchanalysiert: Googles neues Analytics-Plugin Googlereport – Google-Experte Lars Reppesgaard Ein Problem bei Analytics ist, dass kaum ein Webseitenbetreiber den Einsatz transparent macht. Nur [...]