Der Googlereport probiert’s mit flattr

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Ab heute kann der Googlereport nicht nur gelobt, sondern auch geflattrt werden.

flattr ist ein Micropayment-System, bei dem die Leserinnen und Leser von Blogs, Foren und anderen Online-Medien selbst entscheiden, was sie monatlich bezahlen. Was sie ausgeben, wird an die verteilt, die von ihnen geflattrt, also angeklickt werden.

Wer 5 Euro im Monat verflattrn will und im Laufe eines Monats auf den Flattr-Button bei zwei Blog-Einträgen, Videos, Slide-Shows oder sonstigen Webinhalten klickt, zahlt quasi jedem Autoren 2,50. Klickt er öfter auf den Button bei verschiedenen Beiträgen, bekommen die Autoren anteiligt weniger. Was aber, wenn einige hundert oder tausend Leute einen Artikel, ein Video oder sonstwas flattrn auch völlig ok ist.

Es ist ein Versuch – einer von vielen – auszuprobieren, wie publizistische Arbeit online finanziert werden kann. Anderer Micropayment-Systeme waren bislang wenig erfolgreich. Trotzdem halte ich es für sinnvoll, auch flattr eine Chance zu geben. So großartig das ist, was durch Freiwillige und Freizeitautoren im Netz zu finden ist – es wird auch in Zukunft Themen geben, die einfach zu sperrig, nervig und unsexy , aber trotzdem verdammt wichtig sind.

Wenn wir nicht wollen, dass in Zukunft nur Politiker, Versicherungsunternehmen und -verkäufer erklären, was die Kopfpauschale bedeutet, und wir vor allem wollen, dass Leute auch mal den herrschenden Diskurs durchbrehcne (und z.B. der Gruselpropaganda vom immer teureren Gesundheitssystem etwas entgegen setzen) brauchen wir professionelle Inhalteproduzenten, die versuchen, interessenfrei Komplexes für Leser, Zuhörer und Zuschauer runter zu brechen. Allein mit Werbung lässt sich das vermutlich auch finanzieren. Ich verspreche mir aber davon, dass Urheber auch direkt von Lesern, Zuschauern und Hörern wenigstens zum Teil finanziert werden, eine größere Autonomie für die Urheber und die Möglichkeit für sie, kompromissloser zu arbeiten. Auch Seiten wie Netzpolitik oder mspr0 sind dabei, flattr auszuprobieren.

Meine Hoffnung ist, dass es solche Inhalteproduzenten in Zukunft auch – und vor allem – jenseits der etablierten Medienunternehmen geben wird. Ich habe jedenfalls große Lust auf eine Medienlandschaft, die sehr viel kleinteiliger, und dafür weniger strukturkonservativ, machtbesessen und elitär ist als das, was uns derzeit die alten Holzmedien und die Flimmerkiste liefern.

Dazu braucht man aber nicht nur Inhalteproduzenten, obwohl die Rolle, die man annimmt, zunehmend verschwimmt – was flattr schön dadurch auffängt, dass man selbst einzahlen muss, bevor man kassieren kann.

Man braucht natürlich nach wie vor Leser, die Lust auf Stoff haben, mit dem sie sich auch bei Themen, bei denen sie keine Zeit haben, selbst zum Experten zu werden, eine fundierte eigene Meinung bilden können. Die wird es aber m.E. auch weiter geben, denn niemand kann von allem richtig viel Ahnung haben, die Zahl der Gebiete, von denen man Ahnung haben sollte (weil es einem z.B. schadet, für die Kopfpauschale zu sein, obwohl man wenig verdient) immer größer wird. Komplexe Welt und so.

Wichtig ist, dass auch diejenigen, die mehr an Netzinhalten konsumieren als sie produzieren auch bereit sind, bei flattr mitmachen. “Für relevante Umsätze wird flattr eine Masse erreichen müssen, die über ein paar hundert Blogger hinaus geht”, merken die Kollegen vom Spreeblick ganz richtig an. Wenn nur Blogger Blogger bezahlen, ist das ungefähr so als wenn wie uns alle im müntefering’schen Sinne alle gegenseitig die Haare schneiden.

Wenn auch Leser dazu kommen, funktioniert’s. Dafür, dass Ihr zahlt, bekommt Ihr aber auch etwas: Inhalte mit Herzblut, die in eurem Sinne und für euch geschrieben werden, Inhalte, deren Produzenten sich den Lesern und Hörern, nicht den Anzeigenkunden oder der Politik verpflichtet fühlen. Das empfinde ich als ziemlich tolle Version. Vieleicht hilft flattr, dass etwas daraus wird.

P.S. Mitmachen sollten aber natürlich auch viele andere Blogger. Wie man Flattr in WordPress integriert, steht hier bei Spreeblick.

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