Alternative Suchmaschinen: Wie wechselfreudig sind Google-Nutzer wirklich?

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Drei Fragen – eine Antwort: Wenn es darum geht, ob Google in bestimmten Bereichen eine Monopolstellung innehat, wettbewerbsfeindlich agiert oder die Frage aufkommt, wieso die Nutzer Google blind vertrauen sollten, hört man immer wieder die gleiche Argument: Google kann keine Monopolstellung innehaben und es sich nicht leisten, sich wettbewerbsfeindlich zu verhalten oder das Vertrauen der Nutzer zu missbrauchen, weil die Konkurrenz nur einen Mausklick weit weg ist.

Aber wie realistisch ist es, dass die Netznutzer dem Suchmaschinenriesen den Rücken kehren? Wie wechselwillig Suchmaschinennutzer wirklich sind, dazu gibt es ein paar spannende neue Erkenntnisse.

Das Onlinemagazin netzwelt.de und die Schweizer Suchmaschine Hulbee befragten knapp 900 Besucher der Webseite Netzwelt zu ihrem Suchverhalten – mit interessanten Ergebnissen.

Zwar ging es dabei grundsätzlich um Suchmaschinen (der Auftraggeber Hulbee möchte etwa herausfinden, ob man seine Begriffswolken als neue Form der Ergebnisanzeige akzeptiert werden), doch Google ist auch dieser Befragung zufolge ganz klar die Nummer Eins unter den Suchmaschinen.

85 Prozent der Befragten ihnen suchen über Google. Jeder zweite Surfer hat Google als Startseite eingerichtet.

Wenn Suchmaschinen-Nutzer also über die Relevanz von guten Suchergebnissen und Datenschutz und über ihre Wechselwilligkeit Auskunft geben, zeigt das in hohem Maße, wie wechselbereit oder unzufrieden Google-Nutzer sind und welche Themen sie beschäftigen.

Was aber kam bei der Befragung heraus: Zunächst, dass Google im großen und ganzen einen sehr guten Job macht. Googles Anspruch ist es, nützliche Suchergebnisse zu liefern. Das gelingt weitgehend, zwei Drittel der User sagen, dass die Mehrzahl der Suchergebnisse relevant ist. Nur 13,7 Prozent sind grundsätzlich unzufrieden mit den angezeigten Suchergebnissen.

Fast 70 Prozent der User würden Googles Arbeit mit der Schulnote 1 oder 2 bewerten. Google bietet eine übersichtliche Startseite, wie sie viele Befragte fordern, und die Suche ist einfach zu bedienen.

Deutlich wurde auch, dass Suchmaschinennutzer treue Wesen sind. Fast die Hälfte von ihnen nutzt neben der Stammsuchmaschine keine weiteren Suchangebote. Wenn überhaupt, wird als Alternative über Yahoo und Bing gesucht. Suchmaschinen wie Ixquick, Metager oder Ecosia wurden bei der Befragung nicht ausdrücklich genannt, Mageleo und Wolfram Alphakamen nur auf winzige Nutzeranteile. Alternativen kommen aber insgesamt kaum zum Einsatz, zwei Drittel der Surfer nutzen sie nur jedes zehnte Mal, wenn sie etwas suchen, oder noch seltener.

Dennoch gibt es Dinge, die Nutzer an ihrer Lieblingssuchmaschine kritisieren:

Punkt 1: Sie können noch relevantere Ergebnisse anzeigen: So gut wie alle Surfer erwarten, dass schon die ersten drei Suchergebnisse für sie sehr relevant sind. Genau hier scheint Google Schwächen zu haben.

Die Studie führt etliche Beispiele auf, bei denen sich Nutzer über Preisvergleichseiten, Branchenbucheinträge und andere suchmaschinen-optimierte Webangebote beschweren, die sich vor das schieben, was die Surfer eigentlich suchen. Fast 45 Prozent der Nutzer beklagen, „dass die Ergebnisse, die an den ersten Stellen erscheinen, mir häufig nicht weiterhelfen.” Nur etwa jeder siebte Teilnehmer hält alle aufgelisteten Suchergebnisse für relevant.

Punkt 2: Neben den Ergebnissen ist auch das Thema Datenschutz ein neuralgischer Punkt. Ein guter Suchmaschinenanbieter „sollte keine daten von mir ohne erlaubnis sammeln“, die „Datensammlung beschränken (Negativbeispiel: Google)“, schreiben Befragte beispielsweise.

Die Mehrheit beobachtet nutzt die Google zwar weiterhin, beobachtet aber nach eigenen Angaben, was der Anbieter der Suchmaschine tut. Nur 13 Prozent der Surfer ist das Thema Datenschutz ganz egal.

Was folgt daraus für die Wechselbereitschaft? Grundsätzlich stellt Google die Nutzer zwar zufrieden. Wenn aber der Lieblingsanbieter nicht mehrere der genannten Probleme behebt, können sich drei Viertel der Nutzer  vorstellen, die Suchmaschine zu wechseln. Diese Drohung ist ernster zu nehmen als die Ankündigung von Nutzern, etwa ihr Facebook-Konto aufzugeben, denn der reine Wechsel der Suchmaschinenseite bringt für die Nutzer keine Transaktionskosten (etwa: Kontakte, Bilder und Nachrichten, die man nicht mitnehmen kann) mit sich.

Beide Probleme – manipulierte Spitzenergebnisse in der Suchanzeige und die Sorge der Nutzer um ihre Daten – sind Themen, die Google durchaus auf dem Schirm hat. Ein Großteil der Energie der Entwickler bei Google wird darauf verwendet, im Wettlauf mit den SEOs zu die Nase vorn zu haben. Hier denke ich, dass Google weiter dank seiner Technologieführerschaft die Oberhand behalten wird.

Anders sieht es beim Thema Datenschutz aus. Sollte Google also weiter neue Datenskandale produzieren (was ich von der Art und Weise wie Google arbeitet und vor allem organisatorisch aufgestellt ist für wahrscheinlich halte), kann irgendwann der Punkt kommen, wo ein anderer Anbieter, der massiv das Thema Datenschutz als Marketing-Botschaft einsetzt (wie Ixquick es jetzt schon tut), gute Chancen hat, Google Nutzer abzunehmen – vorausgesetzt natürlich, seine  Suche produziert nicht deutlich schlechtere Ergebnisse. “Gute Alternativen zu Google könnten sich irgendwann durchsetzen“, glaubt Strahinja Zuljevic, Redakteur bei netzwelt.de „Natürlich sind die meisten Nutzer Gewohnheitstiere. Doch immer mehr Leute sind skeptisch gegenüber dem Suchmaschinen-Riesen und deshalb offen für neue Möglichkeiten“

Google-Konkurrenten müssen allerdings massiv investieren, um bekannter zu werden. Nur so können sie überhaupt als Alternative in Betracht zu kommen. Ein Drittel der Surfer kennt überhaupt keine Alternativen zu Google. Einer der wertvollsten Marken der Welt
auf diesem Feld etwas entgegen zu setzen, dürfte mindestens so schwierig sein wie eine technisch gute, einfach zu bedienende und elegante Suchmaschine aufzubauen.


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