Google verkauft seine Google Apps als endlose Erfolgsgeschichte. Ein Analyst von Forrester beurteilt die Erfolgsaussichten von Googles Online-Textverarbeitung und weiteren Netzdienste dagegen skeptisch. Er ist überzeugt: Office 2010 von Microsoft wird weiterhin bei den Endverbrauchern erfolgreich sein.
Die Aussage, die ForresterAnalyst JP Gownder in einem Blog-Eintrag veröffentlichte, überrascht. Schließlich sind die Google Apps für Endkunden umsonst, während Microsoft Office Geld kostet.
Gownder verweist zwar darauf, dass netz-basierte Programme viele Bereiche des Softwaregeschäfts zum Erliegen gebracht haben. Aber Google Docs ist „kein Wettbewerb“ für Office – eine Bemerkung, die eine gehörige Ohrfeige für Googles Bemühungen auf diesem Gebiet darstellt.
Office dagegen wird sich seiner Ansicht nach weiter als Paketsoftware durchsetzen – wegen einiger neuer Funktionalitäten, vor allem aber, weil Microsoft dazu gelernt hat und mit den Office Web Apps eine internet-basierte Erweiterung der Software anbeitet.
Obwohl es die kostenlose Google-Software bereits seit drei Jahren gibt, setzen nur 4 Prozent der US-Online-Nutzer setzen sie ein. 67 Prozent setzen noch immer auf Office.
Die Gründe:
a) Die Anwendungen im Browser sind eben noch nicht so benutzerfreundlich wie die, die auf dem eigenen Rechner laufen.
b) Die meisten Endverbraucher nutzen ihre alten Computer relativ lange und verlegen nicht irgendwelche Dienste „in die Cloud“, weil das gerade das Buzzword in der IT-Szene ist. Sie sind froh, wenn ihr Computer funktioniert und sie nichts verändern müssen.
c) Kunden haben sich im Laufe der Arbeite einfach an Office gewöhnt.
Gerade das letzter Argument kann ich gut nachvollziehen. Ich probieren alles mögliche aus, von OpenOffice und NeoOffice bis Googles Apps, und stelle wirklich fest, dass man sich in Textanwendungen „zu Hause“ fühlt, bzw. lange braucht, um mit einem neuen Schreibprogramm warm zu werden.
„Was das alles heißt? Die Leute würden eher Office kaufen oder es raubkopieren als Google Docs zu nutzen“, schließt der Forrester-Analyst deshalb. Google wird also einige Schippen drauflegene müssen, wenn es mit den Online-Anwendungen dauerhaft nennenswerte Einnahmen erzielt.
Denn im Unternehmensbereich ist es ebenfalls – zumindest in Deutschland – nicht sicher, dass viele Firmen auf Google als Anbieter ihrer Bürosoftware und ihrer Collaboration-Werkzeuge setzen werden. Dagegen sprechen offene Datenschutz- und Compliance-Fragen und die Tatsache, dass Microsoft nicht nur mit Produkten wie der Office-Suite, aber auch Sharepoint und Exchange in vielen Unternehmen bisher bereits ohnehin präsent ist.
Google dagegen hat in den Augen vieler Entscheider kaum Referenzen als erfolgreicher Unternehmenspartner (auch wenn in letzter Zeit auch einige große Unternehmen in Zentraleuropa wie der Ringier-Verlag Googles Enterprise Apps nutzen).
Deswegen steht Google noch immer vor einem unlösbaren Problem bei den Apps: Als Firmenentscheider gebe ich ja nicht mein Geld für die vergleichsweise teueren Microsoft-Produkte aus, habe aber dafür eine Lösung, aus der mir keiner einen Strick drehen kann. Riskiere ich aber den Wechsel auf die Enterprise Apps von Google, tue ich zwar etwas Unerwartetes, aber es geht ja nicht direkt um mein Geld. Geht das Experiment aber schief, bekomme ich den Ärger. Kein Wunder, dass viele da am Altbewährten fest halten.
Schlagworte: Forrester, Google Apps, Google Docs, Google Enterprise Apps, MS Office 2010












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