Seit Samstag sammelt der amerikanische Student Frank Rizzo im Rahmen einer Petition Unterschriften, mit denen er Google dazu bringen will, auf Basis von Googles Telefondienst Google Voice eine eigene Voice-over-IP-Anwendung zu veröffentlichen. Bis heute haben erst 3100 Menschen die Petition unterschrieben. Trotzdem ist sie ein interessantes Experiment. Ein Interview.
„Google Voice ist ein kostenloser, webbasierte Telefonmanager. Unter dem Motto “Eine Nummer für alle deine Telefone, für immer” hat der bisher nur in den USA verfügbare Dienst das Zeug, die Telefonie zu revolutionieren“, erklärte Martin Wiegert im Juni 2009 zum Potential der Lösung.
Nutzer erhalten eine einzige Telefonnummer, die sie mit Hilfe von selbst definierten Regeln je nach Anrufer an das private, dienstliche oder mobile Telefon weiterleiten und über eine Weboberfläche verwalten können. Besonders an dem Dienst ist, dass Anrufe bei der Mailbox in Text umgewandelt und damit durchsuchbar gemacht werden. Frank Rizzo studiert Mathematik und Versicherungswesen und fordert Google auf, auch Desktop-Version dieses Dienstes zur Verfügung zu stellen.
Googlereport: Frank, warum fehlt dir die Google Voice Desktop App? VoIP-Clients gibt es doch viele, sind Skype und Co. nicht gut genug?
Frank Rizzo: Google ist dafür bekannt, dass man qualitativ hochwertige Services umsonst anbietet, oder wenn überhaupt, sehr wenig Geld dafür verlangt. Skype ist dagegen bekannt dafür, dass es in einigen Teilen der Welt nicht funktioniert. Dazu kommt, dass viele Leute in den USA sich über die Gesprächsualität beschweren. Außerdem trägt Wettbewerb dazu bei, die Preise zu senken. Er würde dazu führen, dass sie auch bei Skype sinken.
Google Voice als Desktop-VoIP-Anwendung würde Google Voice außerdem für die gesamte Welt öffnen, während man den Dienst bisher nur in den USA nutzen kann. Das ist etwas, was vielen Menschen rund um die Welt viel bedeutet. Viele würden gerne Google Voice nutzen, leben aber nicht in den Vereinigten Staaten. Du brauchst aber eine US-Telefonnummer, damit dieser Weiterleitungsdienst überhaupt funktionieren kann.
Mit einer Desktop-Anwendung von Google Voice würde dein Standort keine Rolle spielen, weil alle Anrufe über das Internet geroutet werden. Dadurch könnte jeder auf der Welt den Dienst nutzen.
Googlereport: Wie zufrieden bis du mit den Rückmeldungen aus der Web Community? Unterschreiben die Leute wie verrückt, oder ist es schwer, Mitstreiter zu gewinnen?
Frank Rizzo: Es war nicht leicht und die Aktion wird wohl auch nicht so laufen, wie ich es erhofft habe. Ein Hauptproblem ist das Timing. Ich habe nicht bedacht, dass letztes Wochenende, als ich die Kampagne startete, in den Vereinigten Staaten der Unabhängigkeitstag gefeiert wurde. Die meisten Leute waren in den Ferien. Einige größere Medien wie CNN, C/Net, oder Tech Crunch haben über die Aktion berichtet, das war überraschend und aufregend. Viele Leute haben es auch herum getweetet.
Mein offzielles Ziel war es, 500.000 Unterzeichner zu bekommen. Das wird sicher nicht passieren. Ich habe extra eine so obszöne hohe Zahl gewählt, weil ich nicht wollte, dass Leute nicht unterzeichnen, weil sie denken, die Quote ist erreicht. Ich habe aber nie erwartet, auch nur annähernd so viele Unterschriften zu bekommen.
Googlereport: Hat Google auf die Aktion reagiert?
Frank Rizzo: Das weiß ich nicht. Ich habe nichts mitbekommen.
Googlereport: Würdest du sagen, dass die Petition eine Blaupause dafür ist, wie die Web-Community gegenüber den Netzgiganten ihre Interessen artikulieren und vertreten kann?
Frank Rizzo: Ich habe das ganze schon irgendwie als Experiment in diese Richtung verständen. Ich mein, ich will wirklich dieses Desktop-VOIP-Anwendung, und das ist meine Hauptmotivation. Aber ich dachte, es wäre auch interessant zu sehen, wie viele Leute wirklich sich zusammenschließen. Und bislang machte es Spaß, das Experiment zu verfolgen, aber ich würde es gerne sehen, wenn noch viel mehr Menschen unterschreiben, 10.000 wäre großartig.
Viele Leute kritisieren mich wegen der Peition, sie sagen, eine Online-Petition wäre das allerletzte, auf das ein großes Unternehmen hören wird.
Aber wie sonst kann man die Stimmen von Tausenden zusammenbringen? Ich kann ja nicht von Tür zu Tür gehen, ich kann nicht die Leute anrufen und damit belästigen, auf diese Weise kommen die Leute hinzu, die davon gehört haben und die das Thema interessiert. Ich sehe keinen Grund, irgendeinen Versuch, Dinge zu verändern oder anzuschieben, schlecht zu machen.
Auch wenn es nicht die Art und Weise ist, die du für am besten hältst, kannst du doch wenigstens den anderen darin bestärken, es wenigstens zu versuchen. Ich finde es schön, wenn Leute zusammen kommen, egal, ob sie gegen etwas Ungerechtes protestieren oder ob sie Google um diese Desktop-Anwendung bitten. Also, unterschreibt bitte.
Thanks!
Schlagworte: Frank Rizzo, Google Voice, Internet-Telefonie, Online-Petition, Petition, VOIP












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