Akzeptanz ist der Schlüssel dafür, dass Onlinewerbung ein lohnendes Geschäft ist. Wenn alle User nur noch Ad-Blocker benutzen und keiner mehr irgend etwas anklickt, lohnt sich selbst Googles extrem effiziente Form der Netzwerbung nicht mehr. Um die Nutzerakzeptanz zu erhöhen, hat Google nun ein neues Feature vorgestellt: Wer dazu Lust hat, kann die eingeblendeten Adwords-Anzeigen ab jetzt nutzen, um den Werbetreibenden seine Vorlieben zu übermitteln. “Mehr Transparenz und Wahlmöglichkeiten bei Anzeigen in der Google-Suche und Google Mail” verspricht Google in einem Blogeintrag. Mit echter Transparenz und Wahlmöglichkeiten hat auch Online-Werbeinnovation allerdings wenig zu tun.
Wenn die Industrie wirklich davon überzeugt wäre, dass fein segmentierte und individuell auf die Person abgestimmte Werbung so attraktiv wäre, dass Menschen die freiwillig zu Gesicht bekommen wollen, würde man das Opt-In-Verfahren – also: Surfer klicken bewusst irgendwo, dass sie Online-Werbung sehen wollen – unterstützen, Statt dessen propagiert Google wie der Rest der Online-Werbeindustrie weiter irgendwelche Opt-Out-Verfahren – also: ich muss irgendwo Bescheid geben, wenn ich nicht beim Surfen getrackt und beobachtet werden will. Zugleich soll der Nutzer selbst nervige Werbeeinblendungen in sinnvolle Beiträge verwandeln, indem er selbst angibt, was ihn – etwa bei einer Adwords-Anzeige – interessiert.
Wie Google an diejenigen kommt, die das eventuell tun könnten (ich persönlich übersehe sowas und interessiere mich Null für die Ads, wenn ich mich nicht gerade beruflich mit dem Thema beschäftige), ist aber perfide schlau geregelt: Wer sich überhaupt für die Frage interessiert, warum er gerade diese Anzeige eingeblendet bekommt, ist ein potentieller Kanditat.
Klicks auf die Frage nach dem Hintergrund der Einlendungen führen die Nutzer nun zum Prefrences-Manager, bei dem man, wenn man dann möchte, schon lange einstellen kann, welche Segmente der Online-Werbung einen interessieren und welche nicht. Neu ist aber die direkte Verknüpfung von Adwords-Anzeigen und diesem Tool.
Wie gesagt, mit Transparenz hat das wenig zu tun, eher mit dem Versuch der Akzeptanzsteigerung. Aber ob das funktioniert? Wolfgang Bleh hat in einem absolut lesenswerten Beitrag auf intern.de , warum es möglicherweise ein Eigentor ist, einen Werbekunden mit Hilfe selbst gewählter Interessengebiete ein immer eingegrenzteres Spektrum an Werbung vorzusetzen.
“Er sieht nur Werbung für das, was er schon mag und hat. Irrationale Spontankäufe infolge von Werbekampagnen werden unwahrscheinlicher. Neuartige, davon abweichende Interessen wird er in seinem Profil kaum festlegen. Dazu fehlt ihm die Phantasie. Um diese Bedürfnisse zu wecken, wurde schließlich die Werbung erfunden. Wenn die Werbung nur dem Bekannten gilt, dann ist das weder im Interesse der Werbekunden noch der Rezipienten.”
Die Werbung baut ihre eigene Filter-Bubble. Herrlich.
Schlagworte: Adwords, Filter-Bubble, Online-Werbung, Opt-In, Opt-Out, Transparenz













Am besten fand ich heute noch den Hinweis von Google, dass die Angaben der Nutzer (eben die Bewertung der Werbung, die Herr Reppesgaard hier sehr schön beschreibt) sich NICHT direkt auf den Qualitätsfaktor der Werbetreibenden auswirken wird.
Was Wolfgang Bleh allerdings außer Acht lässt: Die Personalisierung der Suchergebnisse und Anzeigen ist aus genau diesem Grund algorithmisch begrenzt. Der User sieht daher NICHT nur Werbung für das, was er schon mag und hat. Die Vielfalt der Werbung bleibt gewährleistet – dies ist im Interesse der Werbetreibenden, der Nutzer und damit auch von Google selbst. Insofern ist die Filter-Bubble ein sehr theoretisches Konzept.
Sorry Mathias, sorry Klaas Flechsig, dass ich so lange gebraucht habe, die Kommentare freizuschalten.