Archiv für September 2013

Donnerstag, 19. September 2013

Google legt sich mit dem Tod an

Lesezeit: 3 minutes

Es gibt zwei Konstanten in Googles Unternehmenspolitik. Erstens: Ziel von allem, was das Unternehmen tut, ist es, Nutzer zu animieren, länger und intensiver das Internet zu nutzen als bisher. Denn je länger und intensiver die Menschen surfen – egal, ob über Kabel oder mobil – desto mehr Chancen hat Google, Werbung zu platzieren und Informationen über die Nutzer zu sammeln. Zweitens: Nichts ist unmöglich. Das ganze Internet indexieren: Klar, das probieren wir. Autos, die ohne Fahrer fahren? Ok, die entwickeln wir.

Wenn man beiden Konstanten im Kopf hat, klingt das neuste Vorhaben von Google gar nicht so aberwitzig. Der Netzriese hat sich einen neuen Gegner ausgesucht – einen, der im Gegensatz zu den Anbietern von Hotelsuchen, Versicherungsangeboten oder mobilen Betriebssystemen aber nicht zwangsläufig chancenlos ist: Den Gevatter Tod. [MEHR LESEN]


Montag, 16. September 2013

Lesetipps: Google+ noch immer ein Flop und Warum Google alle WLAN-Passwörter der Welt kennt

Lesezeit: 2 minutes

Zwei spannende Informationen zu Google haben mich in diesen Tagen bewegt: Zum einen ist das Martin Weigerts zielgenaue – und für Google sicher schmerzhafte – Analyse zum Misserfolg von Google+, dem Sozialen Netzwerk des Internetriesen.
Google+ ist nach wie vor nichts anderes als ein Nischenangebot, das eine loyale Anhängerschaft besitzt, die sich aus einem vergleichsweise kleinen aktiven Nutzerkreis rekrutiert, schrieb er schon im letzten Jahr. Angesichts der offzielle 190 Millionen Nutzer (Stand Mai 2013, heute schätzt Weigert die Zahl auf 220 Millionen Nutzer) klingt das zunächst einmal wunderlich. Schließlich haben andere Dienste wie Whatsapp (400 Millionen) oder Instragramm (350 Millionen) einen vergleichbaren Erfolg und gelten damit als erfolgreiche Netzsenkrechtstarter. Weigert verweist aber zurecht darauf hin, dass diese Unternehmen als Start-ups mit begrenzten Ressourcen so weit gekommen sind. Google dagegen habe mehr als eine Milliarde Dollar in Google+ investiert und etwa 1000 Mitarbeiter arbeiteten an dem Dienst. Zudem zwingt Google das Netzwerk den Nutzern anderer Google-Dienste regelmäßig auf – was dazu führt, dass es extrem viel angemeldete, aber eben relativ wenige aktive NUtzer gibt.
Das kalifornische Unternehmen investiert seit Jahren Unsummen in Google+ und lässt seit dessen Veröffentlichung keine Gelegenheit aus, seinen sozialen Dienst den mehr als eine Milliarde monatlichen Besuchern anderer Google-Angebote unter die Nase zu schieben. Egal ob Gmail, YouTube, die Suche oder Android – überall integriert Google Features aus seinem Social Network und drängt dieses seiner Anwenderschaft regelrecht auf.
Sein Fazit: Google+ ist in meinen Augen ein Flop, im Verhältnis dazu betrachtet, was Google seit über drei Jahren an Mitteln und Energie in das Vorhaben pumpt.

Ebenfalls wissenswert: Michael Horowitz verrät in der Computerworld, dass Google so gut wie alle WLAN-Passwörter rund um den Globus kennt. Wer sich mit einem Android-Telefon in ein drahtloses Netzwerk einwählt und dazu das dazugehörige Passwort eintippt, liefert Google damit eine Information, die das Unternehmen nicht nur auf dem Mobiltelefon, sondern als Backup auch auf Google-Servern. Praktisch für die NSA. Auch was diese Praxis sonst für negative Implikationen für die Nutzer haben kann und wo man das Häkchen setzt, wenigstens ab jetzt diese Datenspeicherung zu verhindern, verrät der Text.


Dienstag, 10. September 2013

Google-Bomben im Wahlkampf?

Lesezeit: 2 minutes

Ich freue mich immer, wenn Journalisten wegen Einschätzungen zum Thema Google anfragen. Nicht nur, weil mir die Arbeit an meinem Buch zum Netzriesen viel Spaß gemacht hat, sondern auch, weil das Thema Google und die Umwälzungen, die dieses Unternehmen anschiebt, Wirtschaft und Gesellschaft in hohem Maße prägen – und damit auch die Art und Weise, wie wir jetzt und in Zukunft leben und zusammenarbeiten. In einem wirklich lesenswerten Text hat sich Markus Werning in der Sonntagsausgabe der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ) Gedanken zu der Frage gemacht, in welchem Maße die Monopolstellung von Google bei der Informationssuche im Netz Auswirkungen auf die Wahrnehmung und möglicherweise auch auf die öffentliche Meinungsbildung haben.

Google ArtikelEin Thema, das in dem Text beleuchtet wird, sind die sogenannten Google-Bomben: Mit Hilfe von Tricks wie massenhaft in Kommentarspalten hinterlassenen Links schaffte es Trickser beispielsweise, dass jeder, der nach dem Begriff “miserable failure” suchte, oben auf der Trefferliste den Namen “George Bush” angezeigt bekam. Dass heute solche klassischen Google-Bomben zünden, ist meiner Ansicht nach unwahrscheinlich. Dazu gibt es zu viele technische Gegenmaßnahmen, und dieser Trick der Google-Manipulation ist einfach ausgereizt.

Aber: Die Herausforderung – wie authentisch, wie echt und unmanipuliert das ist, was ich im Netzwerk finde – gibt es heute nach wie vor bei allen Formen der Netzwerk-Kommunikation. Allerdings eben nicht mehr mit den Google-Bomben als Problem, sondern beispielsweise mit den Netzwerkeffekten an sich – wie Google sie etwa erzeugt, wenn das Unternehmen eine Spezialseite zur Bundestagswahl aufsetzt, bei der in erster Linie Aktivitäten gezeigt werden, die Politiker im Social Network Google+ entfachen. Dagegen sieht der Medien- und Politikwissenschaftler Gerhard Vowe von der Universität Düsseldorf dem Artikel zufolge darin die Gefahr, “dass sich Nutzer vorwiegend mit denjenigen Kandidaten beschäftigen, über die sich auch andere häufig informieren. Das Risiko dürfe zwar nicht überschätzt werden, weil viele Menschen noch selbst nach Themen, Politikern und Parteien suchten, aber so können Spiralprozesse entstehen, die die Vielfalt einschränken.“