Braucht man Google Glass?

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Heute ist es soweit: Ab 15 Uhr mitteleuropäischer Zeit können Interessierte über eine eigens von Google aufgebaute Internetseite ein Exemplar von Googles Datenbrille Google Glass kaufen – für “nur” 1.500 Dollar. Aber braucht man das Ding? Und wie fühlt es sich an, so ein Gerät auf der Nase zu haben?

Die Datenbrille Google Glass macht viele Schlagzeilen. Standen zunächst die technischen Eigenschaften der Datenbrille imVordergrund, so wird nun zunehmend deutlich, dass diese Geräte … nunja. Polarisieren.

Ganz unverständlich ist das nicht, denn in ihnen ist ja auch eine Kamera verbaut, die das permanente Filmen der Umgebung mit Hilfe einer Sprachaktivierung erlaut. Ohne dass es der Gefilmte auf den ersten Blick merkt, weil eben nicht direkt eine Kamera oder ein Smartphone auf ihn gerichtet ist. Was dazu führt, dass mancher Google Glass-Träger öffentlich angegangen wird, so wie es dem Journalisten in San Francisco, dessen Tweet hier dokumentiert ist, gerade wiederfuhr.

Aber nur wenige Leute in Deutschland haben sie tatsächlich schon mal im echten Leben gesehen, geschweige denn aufgehabt. Nun aber will Google morgen einen Tag lang die Datenbrille zum Verkauf anbieten. Ein begrenztes Kontingent an Datenbrillen der Internetriese heute über seine Webseite verkaufen.

Wie viele es genau sind, verrät Google nicht. Doch die Nachfrage dürfte ziemlich groß sein. Bisher musste man sich bei Google als Tester bewerben, Journalisten, Blogger, aber zum Beispiel auch Ärzte haben die Datenbrille zugeschickt bekommen um sie auszuprobieren und zu sehen: Was kann dieses Ding. Nun also kommt die erste Reihe in den Handel. Google hat sich dazu mit Brillenherstellern wie Ray Ban oder Oakley zusammen getan, es gibt also nicht nur das Datengestell, sondern auch eine richtige Sonnenbrille oder wenn man will auch Gläser mit Sehstärke zu dem Gerät dazu. Der Preis ist allerdings happig, 1500 Dollar, also etwa 1100 Euro ruft Google für das Gerät auf.

Wer sich dennoch für Google Glass interessiert, braucht aber einen guten Draht in die USA: Wenn man sich die Verkaufsbedingungen genau durchliest, sieht man, dass Google den Glass-Verkauf auf US-Einwohner einschränkt, denn der Versand erfordert eine gültige Lieferadresse in den USA. Wer aber Freunde oder Bekannte in den Staaten hat, kann die natürlich bitten, sich Google Glass zu holen. Unter dem Strich wird dieser Kauf plus Versand nach Deutschland dann natürlich teuer. Und klar ist auch: Ein paar Tage noch so einem Event gibt es begehrte Gadgets auch bei eBay.

Allerdings denke ich, dass man schon en echter Technik-Enthusiast sein muss, um so ein Ding für das Geld für den eigenen Besitz haben zu wollen. Klar, Beratungsfirmen oder Programmierer, die müssen das Ding mal ausprobieren, das habe ich auch schon mal gemacht, einfach um zu sehen, was kann so eine Datenbrille, wie fühlt es sich an, sie zu tragen.

Die Erfahrung ist ganz lustig, aber keineswegs so unwerfend wie etwa eine VR-Brille wie Oculus Rift auszuprobieren. Das kleine Plastikgesell, aus dem Google Glass im Wesentlichen besteht, das ist ziemlich dünn und wabbelig. Am rechten obenen Ende deines Sichtfeldes sieht man dann Informationen eingeblendet. Dieses Display ist gut zu sehen und ergänzt ganz cool die natürliche Sicht. Steuern tust du das ganze mit Sprachbefehlen, du sagt „Ok Glass“, das aktiviert die Brille, und dann kannst du sagen „Take a Picture und so weiter. Oder du nutzt einen kleinen Balken am rechten Rand des Brillengestells, um mit den Fingern ein Touch-Feld zu bedienen, das die Apps steuert. Das wiederum ist sehr ungewohnt.

Aber ich denke, so viel Geld auszugeben lohnt sich im Moment noch nicht. Google Glass ist kein ausgereiftes Produkt, die Batterie ist etwa noch ziemlich schlapp. Noch gibt es wenige Apps für das Gerät, eine kleine Übersicht hat die Wiwo zusammengestellt. Man kann gut damit Fotos und Filme aufnehmen oder sich den Weg anzeigen lassen, aber das war es dann. Also, wenn ich so ein Gerät interessant finde, würde ich noch warten bis dann einen ausgereiftere Version auf den Markt kommt, die dann sicher auch viel weniger kosten wird.

Ob bis dahin die gesellscahftliche Diskussion so weit sein wird, dass klar ist, wie man sich mit so einer Brille in der Öffentlichkeit anständig verhält (etwa indem man eben nicht Leute heimlich filmt) und dass auch klar ist, dass nicht jeder, der so eine Brille trägt, mit Prügel rechnen muss, wage ich allerdings zu bezweifeln. Die Verhaltensregeln, die Google als Antwort auf die gesellschaftliche Diskussion rund um Google Glass veröffentlich hat, werden dazu zumindest kaum ausreichen.