Google versorgt den stationären Handel mit Informationen aus Onlineanzeigen

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Wer heute vor allem im Netz einkauft, hat viele Vorteile: Vieles lässt sich günstiger oder mit wenige Aufwand beschaffen, die Auswahl fast grenzenlos, im Voraus ist abzusehen, was vorrätig ist. Und viele Anbieter – Amazon etwa – schaffen es meisterhaft, auf Grundlage der bereits erfassten Daten eines Kunden, ihm Vorschläge zu machen oder Rabatte zu gewähren, die ihn dauerhaft an das Unternehmen binden.

Der stationären Handel tut sich oft schwer, gegen diesen Wissensvorsprung anzukommen. Wer einen Händler kennt, der ein so gutes Gedächtnis hat wie Amazon, hat Glück, denn solche Händler sind selten.

Doch der stationäre Handel wird nicht dauerhaft ahnungslos sein, der Wissensabstand zwischen Offline- und Online-Unternehmen verringert sich: Der Online-Werbegigant Google startet ein Programm, das die Klicks auf Online-Anzeigen mit tatsächlichen Ladenbesuchen in Beziehung setzt.

Google misst dazu, wohin sich Android-Smartphones bewegen, bei denen die Nutzer die Location History aktiviert haben. Auf ähnliche Weise entsteht die Anzeige in Google Maps, ob es einen Stau auf einer Straße gibt. Zur Sammlung der Store Visit Insights werden nicht die Bewegungen einzelner Nutzer weitergegeben, sondern es werden Schätzungen anhand aggregierter, anonymisierter Daten erstellt.

Damit ist auch klar, dass das Programm, das in den nächsten Woche in den Vereinigten Staaten ausgerollt wird, sich in erster Linie an große Handelsketten richtet. Bei den Adwords-Kampagnen kleiner Einzelhändler dürfe kaum messbar sein, ob nach einer bestimmten Anzeigenschaltung in direkte Korrelation mit dieser Werbemaßnahme mehr Menschen ins Geschäft kommen.

Die Kette Home Depot gehört zu den ersten Unternehmen, die diese Informationen aus den Online-Anzeigen nutzen, schreibt Surojit Chatterjee, Director of Product Management, Mobile Search Ads bei Google.

The company uses insights from store visits data to understand which products, such as laptops, printers or backpacks, are driving people to visit one of its 2,000 Office Depot and OfficeMax retail locations. These insights help Office Depot, Inc., decide which products to include in its local inventory ads. These ads show whether or not a product is available in a nearby store and where the nearest store is located.

Ich halte das für eine spannende Entwicklung, denn aus dem Zusammenspiel zwischen Anzeigen und Ladenbesuchen lässt sich – gute A/B-Tests und ein wenig Einfühlungsvermögen voraus gesetzt – sicher sehr gut ablesen, welche Themen Kunden bewegen. Damit hat der stationäre Händler eine weitere Möglichkeit, die Chancen der Digitalisierung zu nutzen. Innovationen wie etwa Beacon-Technologie nutzen, die Yoints und andere Unternehmen anbieten, sind ebenfalls eine Möglichkeit, den Abstand zwischen Offline- und Online-Einkaufserlebnisse zu verringern.

Damit werden Kundenerlebnisse auch im stationären Handel möglich, die man bisher nur aus der digitalen Welt kannte – etwa die Identifikation des Kunden beim Betreten des Ladens, die mit individuellen Rabatten oder Empfehlungen auf dem Smartphone-Display flankiert wird.

Für die Händler ist die Verzahnung von Online- und Offline-Welt eine Chance. Denn stationäre Händler, die keinen Mehrwert bieten – etwa ein besonderes Kundenerlebnis oder tiefes Know-how über die Vorlieben des Einzelnen – werden es schwer haben zu überleben. Übrig bleiben die, die wirklich etwas Besonderes bieten.

Für Google ist es natürlich ebenso interessant, bei der Digitalen Transformation des Stationären Handels mitzuwirken wie für Yoints und Co. – denn selbst im e-Commerce-Vorreiter-Land USA werden noch 95 Prozent aller Waren offline gehandelt. Wetten also, dass der Einzelhandel sich 2015 weiter digitalisiert – und damit nicht auf Dauer ahnlungslos bleiben wird? Und zwar garantiert auch mit Hilfe von Google.

Fotos: Google/Jeff Sheldon,Unsplash

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2 Kommentare zu „Google versorgt den stationären Handel mit Informationen aus Onlineanzeigen“

  1. Dirk Schiff sagt:

    Ich bin über Google auf Ihre Seite gestoßen und die Berichte gefallen mir sehr gut. Ich werde mir das Buch in jedem Fall bestellen. Kannte ich noch nicht.

  2. lars sagt:

    Danke, das freut mich.