Google-Konkurrenten: Was taugt WhatsApp für Medienunternehmen

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Im Rahmen der Social Media Week Hamburg ergab sich die Gelegenheit für mich, ein spannendes Interview zu führen: Caroline Ebner hat für das Medienmagazin ZAPP des NDR recherchiert, was WhatsApp für die Medien bringt.

Etliche Unternehmen probieren bereits aus, was mit WhatsApp geht und was nicht. Daimler etwa prüft derzeit, wie das Personalmarketing per Gruppenchat funktioniert.

Und die Medienindustrie? Auch hier gibt es Pioniere. Die Heilbronner Stimme, der Standard, die Ruhrnachrichten und andere Medien experimentieren bereits mit WhatsApp als zusätzlichem Nachrichtenkanal, der neue Zielgruppen erschließt. Die Süddeutsche Zeitung sucht über den Kurznachrichtendienst Tester für ihre Mobil- und Webangebote.

Wir beraten bei doubleYUU viele Medienunternehmen bei ihrer digitalen Transformation. Was also halten wir von dem Phänomen?
Ich habe in dem Beitrag, den man auf der NDR-Seite nun online ansehen kann, dazu in etwa Folgendes gesagt: Zum einen ist es großartig, dass Medienhäuser dort nach dem Publikum suchen, wo es ist. In Zeiten, wo viele die Tageszeitung nur noch als Relikt auf dem Küchentisch der Eltern in Erinnerung haben, ist es natürlich sinnvoll, potentielle Leser dort abzuholen, wo sie lesen: Etwa auf Whatsapp. Experimentieren ist also herzlich erwünscht und wird von uns als sehr sinnvoll eingeschätzt.

20150225 LR ZAPP mit Bauchbinde

Andererseits darf für Medienunternehmen das Bespielen neuer Kanäle kein Selbstzweck sein. Was wartet auf diejenigen, die mich als Medienunternehmen durch einen Whatsapp-Kontakt kennengelernt haben? Was biete ich ihnen auf meiner Homepage, auf die ich sie hoffentlich durch meine Initiative im Netzwerk hingelockt habe? Wie sieht dort der Call-to-Action aus, welche Monetarisierungsstragegie (von Paywall bis zum Weinverkauf an Stammleser) habe ich als Medienunternehmen?

Nur wer diese Frage früh beantwortet, kann davon profitieren, den nicht unaufwändigen Kanal WhatsApp für sich zu nutzen. WhatsApp und die Medienunternehmen – das ist ein Beispiel mehr dafür, dass die digitale Transformation mehr von Unternehmen erfordert als Social Media-Kanäle formell zum Verbreiten von Inhalten zu nutzen. Es fordert den Mut zu Experimenten, um zu sehen, wie die Interaktionen des eigenen Hauses mit der Social-Öffentlichkeit funktionieren.

Es braucht aber auch eine Strategie und einen Plan, wie man die digitale Dynamik für sich nutzen kann, etwa um Umsatz zu generieren. An dieser Stelle ist oft noch viel Arbeit zu leisten, denn der Wandel in den Köpfen ist hier noch nicht abgeschlossen. Und auf der anderen Seite ist es toll zu sehen, wie sehr sich viele aus der vermeindlich langsamen und langweiligen Medienindustrie bewegen und wie kreativ sie dabei sind.

P.S.: Wer lieber TV schaut: Zapp wird Samstags, 18.30 auf 3sat wiederholt.
P.P.S.: Bei ndr.de gibt es auch einen Online-Text zu dem Thema.

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