Warum Google Autos baut

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Googles Interesse an Fahrzeugen ist faszinierend, weil auf einmal Science-Fiction-Technik wie selbstfahrende Autos Realität sind. Googles ehemaliger CEO Eric Schmidt geht sogar so weit, zu verkünden, dass bald kein Fahrzeug mehr von einem Fahrer gesteuert wird und wir in Zukunft darüber lachen, wenn jemand in einem alten Film ins Auto steigt und das Lenkrad ergreift.

Warum aber interessiert sich Google überhaupt für das Thema Auto? Mit dem Erfassen, Ordnen und Verfügbarmachen der Informationen auf der Welt hat das selbstfahrende Auto ja nichts zu tun.

Eine Antwort ist natürlich, dass Google den Anspruch hat, große, wesentliche Technologieprobleme zu lösen – am liebsten solche, die von globaler Bedeutung sind. Und die Zahl der Verkehrstoten und die der Emissionen zu reduzieren, ist so eine Aufgabe.

Die selbstfahrenden Autos sind aber nach mehr als 1,2 Millionen gefahrenen Meilen inzwischen mehr als nur ein experimentelles Projekt aus dem Google X Labor.

Sie sind – und das ist die weniger glamouröse Antwort auf die Frage nach dem Warum – auch eine Wette auf einen Markt der Zukunft. Oder kurz gesagt: Es geht um Geld.

Das Dashboard im Fahrzeug wird nach dem PC-Bildschirm und dem des Smartphones die nächste Oberfläche, die einen großen Teil der Aufmerksamkeit der Menschen auf sich ziehen wird. Dort werden wir nicht nur Navigationsinformationen konsumieren – wobei Google auch hier gut positioniert ist. Google Maps warnt Fahrer inzwischen sogar, wenn sie im Begriff sind, einen Ort anzusteuern, der bei der Ankunft geschlossen sein wird. Und über Google Car Play lassen sich noch weitere Google Dienste ins Auto integrieren, beispielsweise Unterhaltungsangebote wie Filme, Musik oder Spiele aus dem Google Play Store.

Seit Google 2009 einige Toyota Prius mit Kameras bestückt auf die Straßen schickte, habt sich nicht nur die Optik der Fahrzeuge stark verändert. Aus dem Prius ist ein fahrendes Ei geworden.

Vor allem das Innenleben der Fahrzeuge ist aber massiv weiterentwickelt worden. Es ist faszinierend zu sehen, wie detailliert das Google Car seine Umwelt wahrnimmt, wie etwa in diesem Video zu sehen ist.

Dass Google auf Grundlage so genauer Informationen über Fahzeug, Fahrer und Umgebung kontext-basiert auch Anzeigen im Auto ausliefern wird, ist dabei ein naheliegender Gedanke. „Hey, Ihr Tank ist bald leer, bei uns bekommen Sie 2 Cent Rabatt pro Liter, wenn Sie jetzt abbiegen“ – das könnte bald auch auf dem Dashboard zu lesen oder über die Lautsprecher zu hören sein.

Zugleich lässt sich Geld mit den abgerufenen Filmen, Spielen und Musikstreams verdienen. Vor allem, wenn der Fahrer nicht mal mehr das Steuer halten muss und wirklich Zeit hat, sich ebenfalls zurückzulehnen und einen Film zu sehen.

Dieses Konzept verfolgt nicht nur Google. Zwar hat der Vorstoß von Google (und auch von Apple) in den Automarkt die Autohersteller kalt erwischt und stellt sie vor große Herausforderungen, etwa was ihre Innovations- und Entwicklungszyklen angeht.

Doch die Autobauer lernen rasch dazu. Auch Daimler etwa hat bei der Vorstellung seines selbstfahrenden Prototypen F 015 das Auto als privaten Rückzug- und Lebensraum definiert, in dem das Luxusgut Zeit dem Menschen zur Verfügung steht. Zeit um zu lesen, zu schauen, zu genießen. Juniper Research geht davon aus, dass bereits 2018 mit Telematikdiensten im Fahrzeug 20 Miliarden Dollar umgesetzt werden.

Das Interesse am Milliardenmarkt Dashboard ist also groß. Spannend ist dabei zu sehen, dass App-Entwickler für das Autodashboard ganz anders vorgehen müssen als App-Entwickler beim Smartphone. Beide Entwicklergruppen versuchen im Gegensatz zu meinetwegen einem Entwickler eines Office-Pakets, in sehr hohem Maße den Kontext miteinzubeziehen, wenn Informationen dargestellt oder Aktionen ausgelöst werden.

Doch während die Smartphone-App versucht, möglichst viel unserer Aufmerksamkeit in Anspruch zu nehmen, darf die App am Autodashboard uns solange wir noch selbst fahren möglichst wenig fesseln. Sie soll nur dann warnen, wenn es absolut nötig ist. Google Now ist hier ein gutes Beispiel, wie eine Lösung im Hintergrund Informationen sammelt und verarbeitet, sich aber nur meldet, wenn es wirklich nötig ist, wenn wir etwa im Begriff sind, einen Termin zu verpassen, weil ein paar Kilometer vor uns ein Stau entsteht und Google Now eine Umleitung empfiehlt.

Für Google wiederum hat so ein unaufdringlicher Assistent den Wert, dass er dennoch permanent Nutzerinformationen sammelt, die auch in einem anderen Kontext genutzt werden können. Wobei übrigens auch die CEOs der Autohersteller inzwischen erkannt haben, dass diese Daten ein Schatz sind, den sie wiederum nicht kampflos Google überlassen wollen…

Bilder: Google Car Creative Commons licensed (BY) flickr photo by smoothgroover22 https://www.flickr.com/photos/smoothgroover22/15104006386

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